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Spank Spike 350 Vibrocore mit “CrossMix” Bespeichung

Boris Laufradbau Kommentar hinterlassen

Update August 2018

Leider hat sich die Haltbarkeit dieser flachen Spank Spike 350 Vibrocore Felge nicht als so gut erwiesen wie ich mir das erhofft habe und Spank das angibt.

Aufgrund des flachen Profils fehlt Spank Spike 350 Vibrocore sogenannte Stützhöhe. Dadurch flext sie bei Einschlägen radial etwas und macht so das Fahrgefühl durchaus sehr angenehm. Jedoch hat dies zwangsläufig auch zur Folge, dass bei sehr harten Einschlägen der Punkt erreicht werden kann, an dem aus Flex plastische Verformung wird.

Leider ist dies an meinem Hinterrad nach nicht ganz drei Monaten eingetreten. Man sieht es mit blossem Auge zwar nicht, aber die Speichenspannungen im betroffenen Segment fallen ab. Jeder weitere Einschlag an dieser Stelle verschlimmert die Situation.

Es ist leider auch nicht möglich die Speichenspannungen wieder auf ein gesundes Niveau zu bringen, da die Felge bei diesem Versuch nur immer weiter nachgibt. Man kann entweder so weiterfahren bis das Rad quasi auseinander fällt, oder man tauscht die Felge gleich aus.

Das alles ist sehr bedauerlich, denn die Räder haben sich mit dieser Felge extrem gut angefühlt: Viel Seitensteifigkeit aber dennoch hoher Fahrkomfort. Insofern hat die Felge zumindest in diesen Bereichen geliefert. Es mag sogar sein, dass das etwas mit der Vibrocore Schaumfüllung zu tun hat. Ich kann es weder bestätigen noch widerlegen.

Fazit:

Die Konsequenz aus diesem Materialtest sieht für mich so aus, dass ich diese Felge nurmehr für Trail oder All-Mountain Einsatz empfehlen kann. Für Leute die mit ihrem Material sehr hart umgehen und/oder schwer sind, ist das Risiko einer Enttäuschung auf absehbare Zeit einfach zu gross. Da spielt es für mich als Laufradbauer keine Rolle ob Spank mit dieser Felge auch Downhill World Cup Fahrer ausrüstet – solche Räder müssen schliesslich nur minimal eine Abfahrt und maximal ein Rennwochenende überstehen ohne auseinder zu fallen… das ist aber nicht das was meine Kunden von ihren Rädern erwarten.


(Ursprünglich am 31. Mai 2018 auf tumblr gepostet)

Die im vorangegangenen Eintrag präsentierten, auf Hochglanz polierten DT Swiss 350 Naben habe ich mit einem Satz der brandneuen Spank Spike 350 Vibrocore Felgen verheiratet und dabei wiederum (ist nicht der erste Radsatz damit) eine ungewöhnliche Art Bespeichung verwendet, die ich hier kurz erläutern möchte.

Wie allgemein bekannt, werden die meisten Räder mit einheitlichen Speichen aufgebaut, d.h. alle Speichen haben den gleichen Durchmesser.

Dann gibt es noch die Möglichkeit des belastungsgerechten Aufbaus, wo bei herkömmlichen Rädern mit symmetrischen Felgen und asymmetrischen Naben (was die überwiegende Mehrzahl darstellt), aufgrund der unterschiedlichen Spannungsverteilung zwischen rechter und linker Seite jedes Rads, unterschiedlich dicke Speichen verbaut werden um einerseits etwas Gewicht zu sparen und andererseits die Dauerhaltbarkeit des Speichengerüsts als Ganzes zu erhöhen. Etwas mehr dazu kann hier nachgelesen werden.

CrossMix Bespeichung

Mit dem CrossMix geht man einen Schritt weiter und betrachtet das Rad nicht nur aufgrund der jeweiligen Seite sondern die Funktion der beiden Speichentypen im Rad:

  • Führende Speiche
  • Folgende Speiche

Als führende Speichen bezeichnet man jene Speichen die aufgrund ihrer Ausrichtung ein Drehmoment übertragen können, also die Bremskraft oder die Antriebskraft. Die folgenden Speichen sind entgegengesetzt ausgerichtet und können dies nicht, da der Speichennippel ja nicht fest mit der Felge verbunden ist um eine Kraft von der Nabe in Richtung des Nippels zu übertragen.

Auf dem folgenden Foto sind zur Illustration die führenden Speichen am Vorderrad auf der linken Seite rot unterlegt und die folgenden Speichen grün. Die Speichen auf der rechten Seite des Rads funktionieren genau so, ich habe sie aber nicht farblich unterlegt damit das Prinzip einfacher erkennbar bleibt.

CrossMix Bespeichung
Führende Speichen: Rot
Folgende Speichen: Grün

Wenn man sich nun vorstellt wie die Kraft beim Bremsen wirkt, also das Rad im Uhrzeigersinn verzögert, erkennt man wieso nur die roten Speichen diese Kraft in Zugrichtung übertragen können und die grünen nicht.

Beim CrossMix wählt man nun also für die führenden Speichen (rot) einen dickeren Durchmesser und für die folgenden (grün) einen dünneren – und zwar auf beiden Seiten des Rads.

So hat man einerseits eine weniger flexible führende Speiche die die auftretenden Kräfte von der Nabe auf die Felge übertragen und somit weniger Torsion zwischen Nabe und Felge zulassen. Und andererseits eine flexiblere folgende Speiche mit grösserer elastischer Längung für mehr Spannungsreserve im Falle einer Teilentlastung aufgrund von Torsion.

Als Bonus hat man im Gegensatz zum herkömmlichen belastungsgerechten Aufbau auf beiden Seiten des Rads die gleiche Anzahl dickere Speichen um die Seitensteifigkeit des Speichengerüsts zu erhöhen, was je nach Eigensteifigkeit der Felge und Nabengeometrie sehr willkommen sein kann. Dies insbesondere dann wenn man die Differenz der Speichendicken grösstmöglich wählt, denn dünnere, flexiblere Speichen gehen auch immer mit einem gewissen Verlust von Seitensteifigkeit einher.

Der Haken ist am Hinterrad

Natürlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass am Hinterrad ein gewisser Konflikt entsteht weil prinzipiell alle Speichen eine Kraftübertragung zu leisten haben: Die eine Speichengruppe wenn man pedaliert und die andere wenn man bremst. Allerdings sind diese Kräfte auch nicht so gross wie beim bremsen am Vorderrad. Die grösste Belastung am Hinterrad ist eher die des Grossteils der Masse die darauf lastet und das Rad quasi durchknetet. Auf jeden Fall nimmt man so jedoch eine gewisse Gewichtseinsparung mit hat und im Vergleich zum herkömmlichen belastungsgerechten Aufbau den Vorteil der besseren Steifigkeitswerte des Speichengerüsts.

Das ist die Idee hinter dem CrossMix der Speichen und ich bin sehr angetan von den Vorteilen die sich daraus ergeben auch wenn der Zeitaufwand beim Bau der Räder grösser ist als bei den herkömmlichen Methoden.


Spank Spike 350 Vibrocore Felge

Zum Schluss möchte ich noch etwas über die Spike 350 Vibrocore Felgen schreiben.

Die Felgen sind mit einem recht harten Schaum ausgefüllt, der von Spank seit 1 oder 2 Jahren in deren Vibrocore Lenkern zum Einsatz kommt. Bei den Lenkern ist die Idee dahinter durch den Schaum die auftretenden Schwingungen zu dämpfen und so armpump, also das Ermüden der Hände, zu reduzieren.

Vibrocore Schaumfüllung
Spank Vibrocore Felgen sind mit einem schwingungsdämpfenden Schaum ausgefüllt
Man kennt dies auch von den Spank Vibrocore Lenkern

Spank ist der Meinung, dass das auch bei diesen neuen, für Spank Verhältnisse sehr flache, Felgen einen Vorteil für den Fahrkomfort bringen kann. Ich bin da eher skeptisch, denn das lässt sich mit flexibleren Speichen eigentlich auch erreichen, wenngleich mit den weiter oben erwähnten Nebenwirkungen. Zumal Spank Felgen, wenn die Räder ordentlich aufgebaut sind, schon zu den radial aber auch axial mit steifsten Alu Felgen gehören und sich da dünnere Speichen ohnehin anbieten.

Was ich mir aber von der Schaumfüllung verspreche, ist noch etwas mehr Torsionssteifigkeit der Felge in sich, z.b. auch beim Bremsen und somit u.a. erhöhte Langlebigkeit des Speichengerüsts. Aber auch eine geringere Anfälligkeit von Überlastungsschäden der – wie bereits erwähnt – relativ flachen Felge in radialer Richtung, wie ich sie schon hin und wieder bei flachen Felgenprofilen anderer Hersteller gesehen habe. Grundsätzlich sollte aber das Spank typische Profil der Felgen mit eher runden Flanken und dem sehr schmalen Felgenboden, der wenig Angriffsfläche für Ausbäulung und Risse bietet, dem einiges entgegensetzen. Ich bin aber gespannt wie sich das in der Realität zeigt.

Spank Spike 350 Vibrocore
Die Spank Spike 350 Vibrocore Felge
Clean Look – Check!

Übrigens: Die decals auf den Felgen sind allesamt aufgedruckt und können mit (reinem) Aceton und einem Baumwolllappen abgewischt werden. Ansonsten sind sie aber recht widerstandsfähig und sicher nicht leichter zu zerkratzen als aufgeklebte decals – falls einem diese decals tatsächlich gefallen. 🙂 Auf dem Foto zu Beginn dieses Blog Eintrags sind die Räder weitestgehend clean zu sehen, bis auf die Daten am Felgenstoss und den decals auf dem Felgenboden, welche ich zu Informationszwecken vorerst belassen habe. Die kann man natürlich auch entfernen.

Das Gewicht dieser Felgen mit 30mm Innenweite in 27.5″ beträgt um die 525g, einiges davon ist natürlich dem Schaum geschuldet.

Gewicht 650b Spike350 Vibrocore
Gewicht einer 27.5″ Spank Spike 350 Vibrocore

Zu guter letzt noch ein Foto der Räder mit kompletten decals.

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27.5″ Spank Spike 350 Vibrocore Felge mit DT Swiss 350 Custom Polished Naben und Sapim Race / D-Light CrossMix Bespeichung. Gewicht 1895g

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