Laufräder "abdrücken"

Unter abdrücken versteht man während des Aufbaus das vielfache und regelmässige entlasten der Speichen, damit sich einerseits im Anfangsstadium des Aufbaus die Speichenköpfe und Speichennippel setzen können sowie andererseits die Speichentorsion abgebaut werden kann.

Wird dies unterlassen, setzen sich die Speichen im Fahrbetrieb und verlieren so einen Teil ihrer gewünschten Vorspannung. 


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Eine grundlegende Technik ist das Recken der Speichen

Dafür greift man mit beiden Händen links und rechts des Rads die beiden jeweils parallel nebeneinander stehenden Speichen und drückt sie mit Kraft zusammen.

Hierbei werden vorallem die Speichenbögen in die richtige Position am Nabenflansch gezwungen, so dass man beim Spannen zu Beginn nicht zu sehr gegen den Speichenbogen arbeitet und es dabei nicht zu unvorhersehbaren Änderungen der Speichenspannung kommt die man wieder ausgleichen muss. Es spart also Zeit. Auch die Speichenköpfe - und das ist besonders wichtig - setzen sich durch die Bewegungen perfekt in die Bohrungen des Flansches.

Darüber hinaus setzen sich die Nippel gut in die Löcher der Felge und richten sich dadurch so gut wie möglich nach der Speichenlinie aus.

Ab einem gewissen Punkt der Speichenspannung bringt das Recken natürlich nichts mehr und man kann damit aufhören. Bei dünneren Speichen später, bei dickeren früher. Recken von Messerspeichen ist etwas heikel, da man sie dabei vorwiegend verdreht.


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Die zweite Technik ist das namensgebende Abdrücken des Rads

Dazu platziert man das Rad flach auf den Boden und stützt sich mit den Händen und dem Körpergewicht ebenfalls auf Position der jeweils parallel stehenden Speichen auf die Felge um so die unten liegende Seite des Rads zu entlasten und wiederholt dies rundum und anschliessend auf der anderen Seite des Rads. Bei dieser Prozedur hört man dann auch mal ein leichtes *pling* oder knacken - die Speichen haben ihre Torsion verloren und werden dies nicht mehr im Fahrbetrieb tun.

Speichentorsion tritt beim Spannen der Speichen auf. Mit ausreichend Übung kann man schon beim Spannen die Torsion minimieren, jedoch wird immer ein wenig vorhanden sein. Diese löst sich ohne Abdrücken unkontrolliert immer wieder bei einzelnen Speichen während des Aufbaus und verändert so auch die eingestellte Speichenspannung. Das sabotiert einerseits das Ziel gleichmässiger Speichenspannung und wirkt sich auch auf den Rundlauf aus - auch hier verliert man Zeit. Und der Rest der Torsion geht dann im Fahrbetrieb aus dem Speichengerüst und es wird notwendig die Speichen nachzuspannen und den Rundlauf zu kontrollieren.

Das Problem der Torsion ist bei Messerspeichen deutlich weniger akut, da man die Speichen mit einem Speichenhalter festhalten kann. Dennoch lohnt sich auch hier ein regelmässiges Abdrücken, denn alles was man mit dem Recken nicht geregelt bekommt, wird beim Abdrücken sicher erreicht.

Ich wende beide Techniken nacheinander an und drücke meine Räder im Schnitt 15+ mal während des Aufbaus ab, denn im Endeffekt spart es Zeit beim Zentrieren und erhöht die Qualität des Aufbaus enorm.