Belastungsgerechter Aufbau

Unter belastungsgerechtem Aufbau versteht man die Philosophie, an einem Scheibengebremsten-Laufrad die jeweiligen Speichenseiten nach ihren im Betrieb auftretenden Belastungen zu betrachten.

Am Vorderrad treten auf der linken (Bremsscheibe) Seite wesentlich höhere Kräfte auf als rechts. Deshalb wählt man für die linke Seite eine mindestens ausreichend starke Speiche, während man für die rechte Seite eine dünnere, leichtere und flexiblere Speiche wählen kann, die, was die Dauerhaltbarkeit betrifft, besser mit der geringeren Speichenspannung  zurecht kommt als dickere Speichen.

Tune King + Kong

Am Hinterrad trifft das Gleiche zu, jedoch seitenverkehrt. Hier ist die Antriebsseite rechts die entscheidende Seite, da hier dauerhaft das Drehmoment des Antriebs anliegt, während links, wo zwar eine Bremsscheibe ebenfalls ein Drehmoment erzeugt, wiederum die dünnere Speiche gewählt werden kann. Dies ist deshalb möglich, weil das Drehmoment durch die Bremswirkung am Hinterrad im Vergleich zum Vorderrad deutlich limitiert ist - wie jeder weiss, rutscht das Hinterrad beim Bremsen sehr viel früher als vorne: Die Bremskraftverteilung ist ca. 70:30. Ausserdem unterliegen Naben einer gewissen Torsion, es kommt also vom Antriebsmoment rechts nicht alles auf der linken Seite an.

Es geht dabei aber nicht nur darum die eingeleiteten Drehmomente mit geeigneten Speichen zu übertragen, sondern auch darum der ungleichen Spannungsverteilung zwischen den beiden Seiten eines Laufrads Rechnung zu tragen. Die Seiten mit der geringeren Speichenspannung profitieren von der Eigenschaft dünner Speichen, eine höhere elastische Längung zu erreichen und dementsprechend auch mehr Reserve bis zur vollständigen Entlastung in einer fahrdynamischen Extremsituation zu haben.

Eine weiterführende Methode ist der CrossMixbei dem unterschiedlich dicke Speichen auf jeder Seite des Laufrads zum Einsatz kommen, um die unterschiedlichen Belastungsfälle der führenden und folgenden Speichen zu berücksichtigen.

Chris King ISO B

Bei Verwendung von symmetrischen Naben, wie sie beispielsweise am Hinterrad fast ausschliesslich an Rädern für Downhill Bikes zum Einsatz kommen, verliert der belastungsgerechte Aufbau einiges an Bedeutung weil die Speichenspannungen auf beiden Seiten de facto identisch sind und das Antriebsmoment nicht mehr länger das dominierende ist - schliesslich ist es ein Downhill Bike.

Aber auch am Vorderrad gibt es symmetrische Naben mit Scheibenbremsaufnahme, zum Beispiel die oben abgebildete Chris King ISO B Nabe mit ihrer charakteristischen "Nase" auf der rechten Seite, weil der Speichenflansch auf dieser Seite nach innen gerückt wurde um den Abstand zur Nabenmitte auf beiden Seiten gleich zu gestalten. Die Auswirkung ist hier, dass auf beiden Seiten auch die gleiche Speichenspannung anliegt wenn die Felge mittig über den Nabenenden liegt.