Dämpfungsöle

Viskosität von Dämpfungsölen – kurz erläutert

Boris Suspension Kommentar hinterlassen

Bei Dämpfungsölen gibt es oft ein besonders grosses Missverständnis, nämlich die auf der Flasche deklarierte Viskosität und ihre Bedeutung. Und zu diesem Punkt möchte ich ein wenig Aufklärung betreiben ohne zu sehr mit Details zu langweilen.

Auf den Flaschen sämtlicher Dämpfungsöle steht eine Zahl mit dem Zusatz WT. Diese Zahl soll etwas darüber aussagen, wie viskos das Öl im Vergleich zu einem anderen ist. Nur leider funktioniert das mit dem Vergleichen meist nicht, denn diese Zahl ist bestenfalls innerhalb eines Herstellers und dabei womöglich sogar nur innerhalb einer spezifischen Sorte vergleichbar.

Für Dämpfungsöle wird daher zumeist die Einheit Stokes in abgewandelter Form zur Beschreibung der kinematischen Viskosität hergenommen. Üblicherweise wird dies in centiStokes (cSt) bei zwei Temperaturen angegeben, nämlich cSt @ 40°C und cSt @ 100°C. Diese Zahlen sind dann herstellerübergreifend vergleichbar.

Anhand des Ausschnitts der folgenden Tabelle erkennt man weshalb die WT Angaben nicht als verlässlich vergleichbar zu betrachten sind und man sich deshalb auf die cSt Werte konzentrieren sollte.

PvD Visko-Tabelle
Ausschnitt der Viskositätstabelle der Webseite http://www.peterverdone.com/suspension-fluids/

Eine weitere wichtige, u.U. noch wichtigere, Kenngrösse ist der Viskositätsindex (VI). Dieser beschreibt wie temperaturstabil ein Öl ist. Je höher diese Zahl ist, desto geringer ist die Änderung der Viskosität bei sich verändernder Temperatur – sei dies Aussentemperatur oder ansteigende Temperatur durch den Betrieb. Gerade in MTB (Hinterbau) Dämpfern ist dies ein wichtiger Faktor, denn hier steigt die Öltemperatur sehr viel schneller und weiter an als in einer MTB Federgabel. Ist der VI klein, so wird das Öl bei steigender Temperatur schneller dünnflüssig als bei hohem VI.

Dick- oder dünnflüssig – oder doch egal?

Beim experimentieren mit verschiedenen Viskositäten sollte man im Auge behalten, dass diese primär Auswirkung auf den Low-Speed Druck- und Zugstufen Teil einer Dämpfung hat, sofern diese auf Ports ohne dynamisch veränderliche Öffnung basiert – d.h. die Öffnung ändert sich nicht aufgrund des Öldrucks im System.

Die High-Speed Stufen basieren meist auf Shimstacks, hier spielt die Viskosität so lange eine untergeordnete Rolle, bis der Shimstack seine maximale Öffnung erreich hat und der Durchfluss nunmehr durch einen festen Querschnitt der Öffnung limitiert wird – jetzt wirkt sich die Viskosität auf die Durchflussgeschwindigkeit aus.

Will man also das Verhalten der Low-Speed Stufen ändern, macht es Sinn dies mit einem anderen Öl zu versuchen. Geht es um den High-Speed Teil der Dämpfung, kann man sich dies zunächst schenken und gleich mit dem umarbeiten der Shimstacks beginnen.

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