Wicklung verlötet

Speichen binden und löten

Boris Laufradbau Kommentar hinterlassen

Speichenkreuzungen mit Draht zu umwickeln und dann zu verlöten ist eine recht alte Technik um Räder etwas steifer und das Speichengerüst haltbarer zu machen. Sie findet heute noch häufiger bei Road- oder Lastenrädern Anwendung.

Bei den heutigen Mountainbike Laufradkomponenten hat es jedoch einiges an Bedeutung verloren. Felgen haben durch ausladende Breite eine sehr viel höhere Eigensteifigkeit, Naben sind breiter und ergeben so flachere Speichenwinkel und zu guter letzt sind höhere Speichenspannungen möglich als das noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war.

Nichtsdestotrotz ist es nicht völlig sinnlos und kann Räder noch etwas verbessern.



Was bringt es also am Mountainbike?

Das Speichengerüst arbeitet im Fahrbetrieb immer etwas, die Speichenkreuzungen können sich bei Einleitung von Drehmomenten wie dem Bremsen oder Antrieb ein wenig gegeneinander verschieben, weil jeweils nur eine der beiden Speichen, die Führende Speiche, diese Kraft überträgt und die andere eben nicht – siehe dazu auch den CrossMix Eintrag. So lange sich diese Bewegung nicht bis zum Speichenbogen fortplanzt, ist sie eigentlich kein Problem, kann aber unter Umständen zu Geräuschen führen.

Fängt jedoch der Bogen oder Kopf an sich zu bewegen, schreitet die Materialermüdung an der Stelle schneller voran und es kommt irgendwann zum vorzeitigen Bruch. Die Dauerhaltbarkeit der Speichen kann also verbessert und unter Umständen sogar beträchlich.

Die Auswirkung von gebundenen Kreuzungen auf die axiale Steifigkeit ist Abhängigkeit der Radgrösse dagegen eher überschaubar und verschwindet um so mehr je grösser die Eigensteifigkeit des Rads aufgrund der Felge, Naben Geometrie und Wahl der Speichen ist. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass man hier bei tendenziell weniger steifen Rädern wie etwa 29″ und dünnen Speichen etwas mehr rausholen kann als bei 27.5″ (oder noch kleiner).

Wo man es durchaus spüren kann, ist bei Drehmomentübertragung, also Bremsen (vorne) und Vortrieb. Das kann sich durchaus knackiger anfühlen weil sich die durch diese Kraft belastete führende Speiche nicht gegen die dadurch überhaupt nicht beeinflusste folgende Speiche verschieben kann – siehe CrossMix Erläuterung.

Ich biete diese Technik in den meisten Fällen nicht von mir aus an, es sei denn ich habe das Gefühl es bringt einen Vorteil für den Käufer. Wenn ein Kunde seine Speichen gebunden haben will, egal warum, dann mache ich das natürlich – Es kommt jedoch mit einem Aufpreis.

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