AWK Doppelkammersystem

Chickadeehill AWK für Cane Creek HELM

Boris Suspension Kommentar hinterlassen

(Ursprünglich am 11. März 2018 auf tumblr gepostet)

Der Deutsche Hersteller Chickadeehill bietet sein AWK Doppelkammersystem nicht nur für die Gabeln von Rock Shox und Fox an, sondern auch für die Cane Creek HELM. Weil ich selbst seit einem knappen Jahr äusserst zufriedener Besitzer einer HELM bin und das Prinzip einer dritten variablen Luftkammer in der Federgabel jedoch schon vor Jahren in einer Manitou Mattoc mit IRT Kit zu schätzen gelernt habe, habe ich mir natürlich gleich so eine Einheit geschnappt und meine HELM damit nochmals aufgewertet.

Was macht das AWK Doppelkammersystem genau?
  • Die Luftfederkennlinie wird geglättet und ist so annähernd linear – wie bei einer Stahlfeder
  • Dadurch ist der Kraftverlauf auf dem gesamten Federweg gleichmässiger ansteigend – die Gabel rauscht beispielsweise nicht in den mittleren Federweg bevor dann die gewohnte Endprogression irgendwann doch noch einsetzt
  • Der Rebound der Gabel arbeitet effizienter aufgrund des günstigeren Kraftverlaufs – die Gabel kehrt insgesamt schneller in die Ausgangsposition zurück, was die Traktion erhöht
  • Die Gabel kann mit geringerer Druckstufendämpfung gefahren werden, da sie typische Luftfederkennlinie nicht mehr über die Druckstufen kompensiert werden muss
  • Die Folge ist natürlich ein ermüdungsfreieres Fahren bei schnellen Schlägen
  • Die Gabel steht insgesamt höher im Federweg ohne an Sensibilität einzubüssen, was insbesondere in Steilstücken vorteilhaft ist
Und was passiert da genau?
  • Ausgangslage: Der Druck in der AWK-Kammer ist etwa doppelt so hoch wie in der Positivkammer der Federgabel
  • Die Gabel federt ein: Die Positivkammer wird sukzessive kleiner und der Druck darin steigt an
  • Erreicht und überschreitet der Druck in der Positivkammer den Druck in der AWK-Kammer, so bewegt sich der AWK-Kolben nach oben und reduziert so die Rate der Verkleinerung der Positivkammer – die Kennlinie wird geglättet

Visualisieren lässt sich das ganze anhand zweier Kennlinien der SoloAir Feder in Rock Shox Gabeln (sorry, habe nur diese Kennlinien zur Verfügung, aber im Prinzip ist es das Gleiche, auch wenn die HELM Kennlinie ab Werk nicht so wabbelig aussehen dürfte und sich die Gabel ohnehin besser abstimmen lässt als jede Rock Shox Gabel im Werkszustand) im Vergleich zu einer Stahlfederkennlinie.

Ohne AWK
Eine Luftfederkennlinie ohne AWK im Vergleich zu einer perfekt linearen Stahlfeder
Mit AWK
Dieses Diagramm zeigt die durch die AWK geglättete Kennlinie
Einbau in die HELM Federgabel

Von weitem und nur mir einem trüben Auge betrachtet, sieht die ab Werk verbaute statische Luftkammerverkleinerung der HELM der AWK Einheit recht ähnlich.

Sie haben aber kaum was miteinander zu tun, denn sie erlaubt uns nur die Positivkammer in 8 Schritten zu verkleinern, während die AWK die Positivkammer in Abhängigkeit vom Einfedern der Gabel dynamisch anpasst. 

AWK_Helm
Oben: Die Standard HELM Einheit zur verkleinerung der Positivkammer
Unten: Die AWK Einheit für die HELM

Nachdem man den Ventilkern aus dem Ventil für die Hauptkammer entfernt hat, damit sich das AWK Doppelkammersystem gut einbauen lässt und man nicht gegen ein Luftpolster arbeitet, wird zunächst der Trennkolben der AWK und das Gewinde gut mit Fett bepinselt. Ideal geeignet dafür ist SRAM Butter / Slick Honey / Slickoleum (alles das gleiche Produkt) oder RSP Slick Kick.

AWK_Helm-2

Der Trennkolben muss vorsichtig und in einer leichten kreisenden Bewegung am Gewinde des Standrohrs vorbei in dieses eingeführt werden. Das Fett sorgt auch dafür, dass es besser flutscht und die Dichtung am Trennkolben nicht beschädigt wird (es liegt jeder AWK jedoch auch noch ein Ersatz Quadring bei). Der Trennkolben wird also 30-40mm ins Standrohr eingeführt.

AWK_Helm-3

Nun füllt man 1.5ml Schmieröl ein. Ich verwende hier Fox Float Fluid, welches sich für mich seit Jahren für solche Zwecke bewährt hat.

AWK_Helm-4
Etwas Schmieröl in die AWK Kammer

Nun wird die Top Cap der AWK mit der Gabel verschraubt und der Ventilkern wieder in das ventil für die Hauptkammer eingedreht.

AWK_Helm-5
Die AWK Einheit komplett verschraubt

Anschliessend befülle ich die AWK Kammer mit einem vorläufigen Druck von ca. 70psi. Dies ist wichtig, da man die Hauptkammer nicht befüllen darf bevor die AWK einen gewissen Druck aufweist, der aber in jedem Fall höher liegen muss als der Druck in der Hauptkammer.

AWK_Helm-6
Vorläufig wird die AWK Kammer mit 70psi befüllt

Als nächstes befülle ich die Hauptkammer mit 65psi.

AWK_Helm-7
Anschliessend wird die Positivkammer der Gabel mit 65psi befüllt

Der vorletzte Schritt ist nun die AWK auf einen arbeitsfähigen Druck zu bringen. In diesem Fall 125psi

AWK_Helm-8
125psi für die AWK Kammer

Da die HELM ja noch eine separat zu befüllende Negativkammer hat, habe ich an diesem Punkt den Druck in der Hauptkammer auf 70psi erhöht, den Druck zwischen der Hauptkammer und Negativkammer ausgeglichen damit ich auf die 70psi für die Negativkammer komme, die ich dort haben möchte und anschliessend den Druck in der Hauptkammer wieder auf 65psi gesenkt.

Nun noch die Ventildeckel auf die AWK aufschrauben und ab gehts zum Feintuning auf der Piste.

Und du kannst die AWK für verschiedene Gabeln hier käuflich erwerben:

https://www.rnr-components.ch/kategorie/suspension/awk-doppelkammersystem/

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